Viele umerzogene, also auf die rechte Hand geschulte Linkshänder, leiden unter dieser erzwungenen Anpassung. Die im Allgemeinen wenig bekannten Folgen: Depressionen, Verhaltensstörungen oder aber auch soziale Probleme im Beruf oder im Privatleben. Eine Möglichkeit, den angeborenen Linkshänderstatus wiederherzustellen, ist eine Rückschulung.
Rückschulung
Bei einer Rückschulung lernt der Linkshänder, die ursprünglich dominante Hand wieder für wichtige Tätigkeiten zu benutzen, beispielsweise zum Schreiben. Eine Rückschulung sollte allerdings mit großer Vorsicht durchgeführt werden, da sich die Händigkeit über Jahre entwickelt hat. Ein zu schneller Wechsel von der einen auf die andere Hand kann auch negative Gefühle hervorrufen.
Psychische Schwierigkeiten treten in besonderem Maße bei der primären Umerziehung einer angeborenen Links- auf eine Rechtshändigkeit auf, man kann sie aber auch gelegentlich nach einer Rückschulung beobachten. Dazu gehören: Unwohlsein, Ängste, sinkendes Selbstwertgefühl und im schlimmsten Fall sogar Depressionen. Eine Rückschulung ist immer auch ein Eingriff in Vorgänge im Gehirn, denn Tätigkeiten, die vorher von einer ganz bestimmten Gehirnregion ausgeführt wurden, werden nun auf andere Hirnareale übertragen.
Rückschulungen nicht bei Kindern
Nicht nur aus diesem Grund werden Rückschulungen im Allgemeinen nur bei Erwachsenen und Jugendlichen durchgeführt. Gerade das Zurückschulen der Schreibfähigkeit auf die linke Hand ist sehr komplex und bedarf viel Übung. Es muss außerdem unterschieden werden, ob nur das Schreiben oder beispielsweise auch das Spiel eines Instruments umgeschult werden sollte. Werden zu viele Tätigkeiten umgeschult, kann das negative Auswirkungen haben. Werden nach der Rückschulung nur wenige Handlungen mit links ausgeführt, ist das Ergebnis einer Rückschulung ebenfalls nicht optimal, weil die neue Linkshändigkeit nicht stark genug ausgeprägt ist.
Viele Experten sind der Meinung, dass gerade das Aufbrechen von Automatismen (Benutzen einer Schere, Essen mit Messer und Gabel) negative Folgen haben kann. Da man sich bisher keine Gedanken über das Schneiden mit einer Rechtshänderschere gemacht hat, kann der ungeübte Umgang mit einer Linkshänderschere sogar Schnittverletzungen zur Folge haben. Automatisierte Tätigkeiten sollten deshalb beibehalten werden, auch wenn sie vornehmlich mit der rechten Hand durchgeführt werden. Das heißt, dass viele rückgeschulte Linkshänder zwar mit links schreiben, aber trotzdem mit rechts ein Messer benutzen oder Tennis spielen.
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